DA03 Praktis und Deep Penetration

In der dritten Ausgabe haben wir uns dem Mindestlohn gewidmet, der einschlägige Auswirkungen auf das Agenturwesen hat. Außerdem sprechen wir über den Rise & Fall des Digital Publishing.

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  • dasSarah
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    Hallo zusammen.
    ich habe erst kürzlich wieder die Erfahrung machen dürfen wie es ist, unterbezahlt zu arbeiten wie Festangestellte.

    Ich habe eine Mediengestalterausbildung und danach noch 2 weitere Jahre in der Agentur gearbeitet. Mich dann noch für ein Studium entschieden und weiter als Werkstudentin gearbeitet. Da hat das Verhältnis zwischen Arbeit und Lohn noch einigermaßen gestimmt.

    Im Studium ist ein Semester leider für Pflichtpraktika vorgesehen und das kann man nicht umgehen. Mit meiner Vorbildung hätte ich allerdings ein Auslandssemester machen können.
    Aus finanziellen Gründen habe ich mich aber doch dafür entschieden noch einmal ein Praktikum zu machen um auch noch andere Agenturstrukturen kennen zu lernen. Im Ausland hätte ich leider fast gar keinen Lohn bekommen, deshalb ist es die Stadt geblieben in der ich wohne. Mit 27 möchte man weder seinen Eltern auf der Tasche liegen noch den bisherigen Wohnraum verkleinern.

    Ich habe also 40h+/Woche/6 Monate für 400Euro gearbeitet und den gleichen Job gemacht, wie die anderen Grafiker. Mehr Verantwortung als sonst die Praktikanten haben usw. Nach 4 Monaten habe ich dann doch nach einer Erhöhung gefragt, die auch kam, aber es letztlich nicht besser gemacht hat. Ich habe gehofft damit einer anderen Agentur zu zeigen was ich kann um später für freie Jobs gebucht zu werden. Oder doch noch so viel Neues zu lernen (wg. anderen Aufgabenbereichen/Kunden), damit sich diese Investition lohnt. Beides hat im Nachhinein nicht stattgefunden und war somit eher ein Flopp.

    Diese Erfahrung hat mich in dem halben Jahr sehr frustriert. Das hat aber dazu geführt, dass ich jetzt als freie Grafikerin mehr Mut habe entsprechenden Lohn zu fordern. Schlecht bezahlte Angebote ablehne, die mich davon abhalten bessere Angebote (die vllt kommen oder auch nicht) anzunehmen und bei der Arbeit wieder mehr Motivation zu verspüren, weil ich weiß, dass sie entlohnt wird. Mittlerweile ist es vor allem Arbeit und kein “ich bin froh überhaupt die Möglichkeit zu bekommen irgendwo dabei zu sein”. Dafür habe ich schon zu viele große Jobs mitgemacht.

    Das war jetzt ausführlich, aber ich wollte auch von der anderen Seite meine “frische” Erfahrung teilen.

    Ich hangel mich gerade von Folge 1 nach oben und versuche auch ab und zu mal Feedback da zu lassen, weil ich euer Podcast Konzept echt super finde und schon länger nach so einem deutschen Cast gesucht habe. Schade, dass kein Grafiker unter euch ist, das wäre auch noch eine interessante Perspektive (kommt natürlich aufs Thema an).

    Mich würde interessieren in welcher Stadt eure Agentur ist. (Dass ihr keine Namen nennen wollt ist mir bewusst). Das erleichtert vllt manchmal die Einordnung der Kunden und “Mentalitäten”.

    Achja, auch bei den Studenten, die als studentische Hilfskräfte in den Hochschulen usw. arbeiten, hat der Mindestlohn etwas bewirkt und zwar: Papierkram. Eine ausführliche Dokumentation der Arbeit um ja die korrekte Belastung einschätzen zu können. Dies wird als extrem lästig empfunden.

    LG
    dasSarah

    • philip
      Antworten

      Hi Sarah!
      Ich kann was du schreibst absolut nachvollziehen. Wenn man schon eine Ausbildung gemacht hat und dann schon 2 Jahre gearbeitet hat, haut dieses Pflichtpraktikum natürlich auf die Motivation. Du kannst dann dabei natürlich nicht mehr viel lernen, kennst die ganzen Agenturabläufe schon und die Agentur profitiert natürlich enorm von dir und kann dich, wie du schon sagst, als komplette Grafikkraft “ausnutzen”. Als ich damals im Studium das Pflichtpraktikum gemacht habe habe ich es als sehr gut für mich empfunden. Klar die Bezahlung war mies, aber man war Student, hatte eh keine Kohle und jetzt hatte man zwar Arbeit, die hatte man davor ja auch UND wenigstens ein bisschen Geld. Aber ich hatte natürlich keine Ausbildung und auch keinerlei Berufserfahrung zu diesem Zeitpunkt.

      Aber was mich mal interessieren würde: Würdest du im Nachhinein dein Studium nach der Ausbildung als nötig oder sinnvoll erachten? Ich frage deshalb, weil ich viele Leute kenne die gar keine Ausbildung oder auch “nur” eine Ausbildung haben und die seit Jahren problemlos in diesem Beruf arbeiten. Der Grad der Ausbildung ist ja eigentlich kein Kriterium in unserer Branche. Da zählt ja nur die Mappe.

      Zu deiner Frage. Wir arbeiten und leben alle in Berlin. Ich bin übrigens auch Grafikdesigner, versuche also eigentlich in den Folgen immer die Designer zu representen :)
      LG Philip

  • dasSarah
    Antworten

    Hallo Philip,

    schön, dass du darauf eingehst.

    Also die Frage nach der Notwendigkeit des Studiums nach der Ausbildung ist wohl eine sehr persönliche Entscheidung. Ich denke es gibt viele Mediengestalter, denen die Ausbildung völlig ausreicht. Entweder um das zu leisten was sie tun wollen oder weil sie einfach ehr sehr gut sind oder Glück hatten gleich einen guten Job zu haben.
    Bei mir war es schon nach 2 Jahren so, dass ich meine Position als Produktioner als zu weit hinten in der Nahrungskette empfunden habe. Du bist ausschließlich für Problemlösungen zuständig und am Ende ist eh immer kein Geld da um die richtig geilen Sachen zu machen. Ich wollte stärker in die Konzeption eingebunden sein, inhaltlich und visuell. Deswegen habe ich das Studium als Möglichkeit genommen mir einen anderen Status bei Bewerbungen zu geben, aber auch in der Studienzeit andere Projekte machen zu können, die man privat nebenbei nie angeht.

    Ich bereue aber die Reihenfolge der Ausbildung und dann Studium nicht! (Bis auf die 5 Jahre die man älter ist als andere).Ich kenne mein Handwerk, die Programme, die Realität in der Branche usw. und kann mich im Studium viel mehr mit dem Inhalt beschäftigen. Das bremst teilweise auch, weil man immer in Machbarkeit denkt.
    Aber spätestens jetzt, wo ich nebenbei freiberuflich arbeiten kann, hat es sich rentiert. Das Studium gibt mir zusätzlich ein anderes Selbstbewusstsein auf dem Markt. Ich werde (hoffentlich) noch so viele Jahre in diesem Beruf arbeiten, da sollte man nicht schon am Anfang bei der Ausbildung sparen, Abarbeiten kommt früh genug.
    Außerdem wollte ich herausfinden wo meine eigentlich Leidenschaft liegt. Am Anfang interessiert man sich im besten Fall erstmal für alles um ein großes Wissen anzuhäufen. Ich habe begonnen mit den digitalen Medien, in der Ausbildung stärker Richtung Fotografie und Raum-Event und nun im Studium ist es mehr Layout und Typografie. Ich kann viele Bereiche abdecken, aber ich weiß jetzt besser auf welche Jobs ich arbeiten möchte.

    Fazit: Das muss jeder selbst entscheiden, aber ich denke zum Nachteil wird es nie sein (außer finanziell in dieser Zeit). Das Studium als zweite Ausbildung dient wohl ein Stück weit mehr der “Selbstfindung”, was auch nicht unwichtig ist.

    In Berlin habe ich mich für das Praktikum auch beworben, aber leider wurde das so kurzfristig nichts. Ich wollte auch mal wieder ein Stück näher Richtung Heimat :) Generell kann ich mir vorstellen nach dem Studium dort hin zu gehen, aber das wird wohl nur mit einer Festanstellung etwas. Als Freelancer muss der Markt sehr übersättigt sein.

    Ich bin sehr gespannt wann von euch wieder etwas kommt. Habe jetzt alles durchgehört und fand es sehr gut, dass ihr euch immer mal wieder jemand anderen dazu geholt habt. Agenturtratsch ist sowieso immer sehr unterhaltsam und fehlt mir mittlerweile etwas :)

    Gern lasse ich weiterhin meine Meinung da, wenn ich etwas zu sagen habe. Oft vergisst man das was man sagen wollte nach der Sendung wieder…

    Achja und der zweite Teil dieser Sendung, der sich der DPS widmet war auch sehr relevant für mich, weil sich mein aktuelles Typosemester damit beschäftigt!

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